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Wenn du immer wieder Angst hast, verlassen zu werden – sei es in Partnerschaften, Freundschaften oder im Alltag – dann bist du damit nicht allein. Verlustangst ist ein tiefgreifendes Gefühl, das eng mit der Angst vor dem Verlassenwerden verknüpft ist – sie erschüttert deinen Selbstwert und kann deine Beziehungen zu geliebten Menschen stark belasten.
Die gute Nachricht: Du musst nicht auf Hilfe von außen warten. Selbsttherapie bei Verlustangst ist möglich – mit bewusster Selbstreflexion, emotionaler Arbeit und konkreten Übungen, die dein Urvertrauen Schritt für Schritt stärken und die dir helfen, ein neues Gefühl der Sicherheit in dir selbst aufzubauen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deine Verlustangst besser verstehen und sie mit praktischen Schritten zur Selbsthilfe überwinden kannst – Schritt für Schritt, in deinem Tempo.
Selbsttherapie bei Verlustangst: Ursachen und Symptome von Verlustangst erkennen und verstehen
Um deine Verlustangst zu bewältigen, ist es wichtig, ihre Ursachen zu kennen und die Symptome richtig einzuordnen.
Ursachen von Verlustängsten: Woher kommen Verlustängste bei Erwachsenen?
Viele Menschen erleben im Erwachsenenalter eine ausgeprägte Verlustangst, obwohl diese Angst häufig bereits frühkindlich geprägt wurde – in einer Zeit, in der emotionale Sicherheit entscheidend ist. Gefühlt kann die Welt fragil sein, wenn du früh erlebt hast, dass wichtige Bezugspersonen nicht zuverlässig da waren – dann entsteht oft eine tief verwurzelte Unsicherheit im Bindungserleben.
Ein geringes Selbstwertgefühl steht häufig in direktem Zusammenhang mit Verlustangst, weil das Bedürfnis nach Bestätigung von außen übergroß wird.
Auch Bindungsmuster und Erziehung spielen eine Rolle: Instabile oder wechselhafte Beziehungen in der Kindheit, frühe Trennungen oder Verlust- und Angstsituationen fördern die Entstehung von Verlustangst.
All dies führt dazu, dass dein Fundament – dein Urvertrauen – beschädigt sein kann: Die tiefe Überzeugung, dass du gehalten bist und das Leben stabil ist, fehlt oder ist geschwächt. Wenn du also spürst, dass dein innerer Halt wackelt, kann dies der Ausgangspunkt sein, um gezielt aktiv zu werden.
Tipp: Wenn du mehr über Urvertrauen erfahren möchtest, dann kann ich dir den ARD-Beitrag „Urvertrauen: Wie Kinder und Erwachsene Vertrauen entwickeln“ ans Herz legen.
Verlustangst Symptome erkennen: So äußern sich Verlustängste körperlich und emotional
Verlustangst zeigt sich nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper – und im Alltag. Emotional erlebst du vielleicht eine ständige und übermäßige Angst, dein Partner oder eine dir nahestehende Bezugsperson könnte dich verlassen oder liebt dich nicht mehr. Gedanken kreisen oft darum, nicht gut genug zu sein – und vor allem davor, den Partner zu verlieren, wenn du nicht „alles richtig“ machst.
Hinter all dem steckt eine starke Emotion: die Angst, allein, unverbunden oder nicht geliebt zu sein – eine Emotion, die oft tiefer reicht, als dir zunächst bewusst ist.
Körperlich kann dies sich äußern durch erhöhte Herzfrequenz, innere Unruhe, Schlafprobleme oder auch psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Panikattacken, Magen‑/Darmprobleme oder Rückenschmerzen zeigen.
Im Verhalten zeigt sich Verlustangst oft in übermäßiger Eifersucht, einem inneren Kontrollzwang gegenüber dem Partner und dem ständigen Bedürfnis nach Bestätigung.
Das Wichtige: Wenn du diese Symptome erkennst – emotional, körperlich, im Verhalten – dann ist dies kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal deines Systems, dass du dich dringend um dein inneres Gleichgewicht kümmern darfst.
Verlustangst in der Beziehung: Wenn Nähe zum Partner Angst macht

In romantischen Beziehungen wird Verlustangst oft besonders intensiv – vor allem, wenn emotionale Nähe alte Ängste aktiviert.
Wie Verlassensängste die Partnerschaft beeinflussen
Besonders in der Kennenlernphase einer Partnerschaft wird die eigene Verlustangst besonders spürbar: Nähe wird manchmal nicht als Geborgenheit empfunden, sondern als Risiko – das Risiko, verlassen oder verletzt zu werden. Du bist dann innerlich wachsam, reagierst sensibel auf Hinweise, dass dein Partner „weg“ sein könnte – sei es emotional oder physisch.
Die Angst kann dazu führen, dass du dich klammerst, oft nach Bestätigung fragst oder dich übermäßig anpasst – in der Hoffnung, damit die Beziehung zu sichern.
Auf der anderen Seite kann dein Partner sich zurückziehen, was deine Ängste weiter verstärkt – ein Teufelskreis entsteht.
Wenn du dich darin erkennst, ist es wichtig, das Muster zu erkennen und bewusst zu wenden.
Verlustangst zerstört die Beziehung: Frühwarnzeichen und Dynamiken
Einige Frühwarnzeichen zeigen sich bereits: Du überinterpretierst Kleinigkeiten (ein „kurzer Blick“, eine verspätete Nachricht) als Beleg, dass dein Partner dich nicht mehr will. Kontrollverhalten oder ständiges Fragen nach Nähe oder Sicherheit dominieren dein Verhalten.
Gleichzeitig entstehen Dynamiken wie: Wenn du dich sehr festklammerst, reagiert dein Partner vielleicht mit Rückzug – deine Angst wird bestätigt, du reagierst noch intensiver – und so weiter. Diese Dynamik kann ohne Intervention schnell in einen dauerhaften Konflikt führen und die Beziehung erheblich belasten.
Deshalb: Frühzeitig zu erkennen, wenn dein Verhalten und deine Angst die Dynamik prägen, ist entscheidend, um gegenzusteuern.
Verlustangst bei Trennung: Wenn Angst vor dem Alleinsein lähmt
Nach einer Trennung – vor allem, wenn sie unerwartet oder emotional traumatisch erlebt wurde –kann besonders intensive Verlustangst auftreten – oft verstärkt durch frühere Erfahrungen von Zurückweisung oder emotionaler Vernachlässigung. Nicht nur der echte Verlust spielt eine Rolle, sondern häufig auch die Angst, mich selbst nicht halten zu können – ohne Partner, ohne die Beziehungsstruktur. Der Gedanke „Was ist mit mir ohne ihn/sie?“ wird laut.
Betroffene empfinden diese Angst nach einer Trennung häufig als überwältigend – sie fühlen sich innerlich wie gelähmt, ohne Halt und Orientierung. Du findest vielleicht keinen Zugang zu neuen Kontakten, bleibst in alten Vorstellungen stecken, vermeidest bewusst Nähe, weil du denkst, das Risiko eines neuen Verlusts wäre zu groß.
Wenn du dich in dieser Situation wiederfindest, ist es umso wichtiger, aktiv dein Urvertrauen zu stärken – denn gerade jetzt gilt: Du bist nicht deine Beziehung. Du bist du – stark, wertvoll und liebenswert.
Selbsttherapie bei Verlustangst: Erste Schritte zur Selbsthilfe

Es gibt konkrete Übungen und Strategien, mit denen du aktiv deine Verlustangst reduzieren und dein Urvertrauen stärken kannst – ganz ohne Therapie.
Übungen zur Stärkung des Urvertrauens
Urvertrauen ist die innere Basis, auf der dein Selbstwert, deine Bindungsfähigkeit und dein Sicherheitsgefühl ruhen. Wenn du unter Verlustangst leidest, ist dein Urvertrauen oft erschüttert – du hast das Gefühl, dass dir der Boden unter den Füßen fehlt, wenn eine Beziehung wackelt. Die gute Nachricht: Urvertrauen lässt sich mit etwas Übung und Geduld wieder aufbauen.
- Starte mit einem Tagebuch, in dem du täglich notierst, wann du dich unsicher fühltest, was genau die Auslöser waren und wie dein Körper reagiert hat. So entwickelst du ein besseres Gespür für deine inneren Muster.
- Ergänze das mit einer Mantra-Meditation:
Setze dich bequem hin, schließe die Augen, atme tief ein und aus, und wiederhole innerlich oder laut das Mantra „Ich bin sicher. Ich bin getragen. Alles wird gut.“ – spüre, wie sich dein Körper entspannt und dein Herz öffnet; diese Übung stärkt deine innere Stimme, die dich auch in Krisen trägt, und eignet sich besonders beim Einschlafen oder in herausfordernden Momenten. - Hilfreich ist auch eine Visualisierungsübung: Stelle dir vor, du bist wie ein Baum mit tiefen Wurzeln – stabil, getragen, unabhängig von den Stürmen um dich herum.
- Und schließlich: Schaffe dir Inseln der Selbstzuwendung. Ob durch Natur, Musik, Yoga, Tage ohne soziale Medien oder kleine Auszeiten – je stärker du dich selbst wahrnimmst und versorgst, desto weniger suchst du Halt im Außen.
Urvertrauen entsteht durch viele kleine, wiederholte Erfahrungen mit dir selbst. Es braucht keine perfekten Bedingungen – nur deine Bereitschaft, dir selbst Schritt für Schritt näherzukommen.
Was tun gegen Eifersucht und Verlustangst in der Partnerschaft?
Eifersucht ist oft der sichtbarste Ausdruck von Verlustangst – vor allem dann, wenn sie aus einer tief sitzenden Trennungsangst heraus entsteht. Aber: Eifersucht ist nicht automatisch toxisch oder „krankhaft“. Sie will dich auf etwas aufmerksam machen – auf innere Unsicherheit, alte Wunden oder ein Ungleichgewicht in deiner Beziehung zu dir selbst.
- Wichtig ist, dass du die Eifersucht nicht unterdrückst, sondern ehrlich hinschaust. Frag dich: Was genau macht mich gerade so unsicher? Habe ich Angst, ersetzt zu werden? Reagiere ich auf ein tatsächliches Verhalten meines Partners – oder auf eine alte Erfahrung in mir.
- Dann: Sprich mit deinem Partner, um Missverständnisse zu vermeiden. Nutze Ich-Botschaften, z. B. „Ich merke, dass ich mich unsicher fühle, wenn …“ anstatt Vorwürfe wie „Du machst …“. So schaffst du Nähe statt Abwehr.
- Parallel kannst du lernen, deine innere Sicherheit zu stärken – z. B. durch Selbstwertübungen, durch Abgrenzung (auch von Social Media!) und durch bewusstes Loslassen von der Vorstellung, du müsstest perfekt sein, um geliebt zu werden.
Eifersucht verliert ihre Macht, wenn du dich selbst als vollwertig und sicher empfindest – unabhängig vom Verhalten anderer. Es geht nicht darum, keine Angst mehr zu haben, sondern darum, trotz Angst verbunden und ehrlich zu bleiben.
Verlustangst überwinden: Strategien zur Selbstregulation
Verlustangst ist kein Feind – sie ist ein Schutzmechanismus deines Nervensystems. Doch wenn sie dein Leben oder deine Beziehungen dominiert, darfst du lernen, dich selbst zu regulieren. Das bedeutet: Du kannst aktiv Einfluss darauf nehmen, wie stark deine Angst dich kontrolliert.
- Ein einfacher Einstieg ist die Atemtechnik: Atme 4 Sekunden tief ein, halte den Atem 4 Sekunden, atme 4 Sekunden aus – wiederhole das mehrere Minuten. Diese rhythmische Atmung beruhigt dein Nervensystem spürbar.
- Zweitens: Nutze einen inneren Gedankenstopp. Wenn du dich wieder in einer Gedankenspirale verlierst („Er meldet sich nicht, er liebt mich nicht mehr“), sag dir bewusst: Stopp. Atme durch. Und frage dich dann: Gibt es Beweise für meine Angst – oder nur Vermutungen?
- Ein weiterer Schritt ist das Hinterfragen deiner Glaubenssätze. Viele Verlustängste wurzeln in erlernten Überzeugungen und Denkmustern wie „Ich bin nicht genug“, „Ich werde eh verlassen“. Du kannst diese Sätze notieren und bewusst durch neue ersetzen: „Ich darf Fehler machen und werde trotzdem geliebt“, „Ich bin wichtig – unabhängig von anderen“.
- Auch körperliche Bewegung kann dich regulieren – Spazierengehen, Tanzen, Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung helfen, Anspannung loszulassen. Und: Sprich über deine Angst. Ein vertrauensvolles Gespräch kann dich erden und deinen Blick wieder weiten.
Regulation heißt: Du überlässt dich nicht der Angst, sondern wirst wieder handlungsfähig. Und mit jeder kleinen erfolgreichen Selbstregulation wächst dein Selbstvertrauen – und dein Urvertrauen gleich mit.
Psychotherapie bei Verlustangst: Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn du spürst, dass du allein nicht weiterkommst, ist professionelle Unterstützung sinnvoll – viele Menschen mit Verlustangst profitieren von einer Kombination aus Selbsttherapie und Psychotherapie.
Verlustangst-Test: Bin ich betroffen?
Ein echter Test kann nur durch eine Fachperson erfolgen – aber wenn du feststellst, dass deine Verlustangst ständig dein Denken und Handeln bestimmt, du körperliche Symptome entwickelst oder Beziehungen regelmäßig daran scheitern, ist das ein klares Zeichen: Hol dir Unterstützung.
Hinweis: Wenn du herausfinden möchtest, wie du innere Stabilität entwickeln kannst, schau dir gern mein Angebot „Raum der inneren Sicherheit – Zurück zu dir“ an und lasse dich von mir begleiten.
Verlustangst und Depression: Zusammenhang verstehen und behandeln
Verlustangst und Depression gehen häufig Hand in Hand – genau wie viele Angststörungen, die oft zusammen mit depressiven Verstimmungen auftreten und sich gegenseitig verstärken können. Eine Psychotherapie kann helfen, Muster aufzudecken, neue Denkweisen zu entwickeln und dein Urvertrauen durch stabile therapeutische Beziehung wieder zu stärken.
Besonders wirksam hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen, da sie dir konkrete Strategien vermittelt, um mit belastenden Gedanken, Gefühlen und Beziehungsmustern besser umzugehen und langfristig neue Denk- und Verhaltensweisen zu verankern , damit du langfristig ein stabiles und erfülltes Leben führen kannst – frei von alten Mustern.
Fazit: Verlustängste erkennen, verstehen und heilen lernen
Verlustangst ist mehr als ein Beziehungsthema – sie betrifft dein Selbstbild, dein Vertrauen und dein inneres Sicherheitsgefühl. Mit der richtigen Selbsttherapie bei Verlustangst kannst du beginnen, dich selbst besser zu verstehen, alte Muster aufzulösen und dein Urvertrauen neu aufzubauen.
Du lernst, dich nicht länger von deiner Angst dominieren zu lassen, sondern bewusst mit ihr umzugehen – und das bedeutet, dass du deine Verlustangst führen kannst, statt von ihr geführt zu werden.
Du brauchst keine perfekte Lösung – nur die Bereitschaft, dir Schritt für Schritt näherzukommen. Denn je mehr du dich selbst hältst, desto weniger stark können sich äußere Unsicherheiten oder Rückweisungen auf dich auswirken. Und genau darin liegt echte innere Freiheit.
Häufig gestellte Fragen zu Selbsttherapie bei Verlustangst
Wie äußert sich Verlustangst bei Erwachsenen?
Verlustangst zeigt sich durch Eifersucht, Klammerverhalten, Kontrollimpulse, Rückzug, starke Selbstzweifel und körperliche Symptome wie Nervosität, Schlaflosigkeit oder Herzklopfen.
Welches Bedürfnis steckt hinter der Verlustangst?
Im Kern geht es oft um das Bedürfnis nach Sicherheit, Zugehörigkeit und emotionalem Halt – also darum, gesehen, gehalten und geliebt zu werden.
Was tun gegen Verlustängste ohne Therapie?
Achtsamkeit, Tagebuch, Affirmationen, Selbstreflexion, gesunde Routinen und offene Kommunikation können dir helfen, deine Verlustängste auch ohne Therapie aktiv zu bearbeiten.
Warum habe ich solche Angst, verlassen zu werden?
Oft liegen die Ursachen in der Kindheit – etwa durch emotionale Vernachlässigung, frühe Verluste oder instabile Bindungen. Ein verletztes Urvertrauen spielt häufig eine zentrale Rolle.
Kann man Verlustangst wirklich überwinden?
Ja – durch Selbsthilfe, psychotherapeutische Begleitung, achtsame Lebensführung und innere Arbeit kannst du lernen, sicherer mit Nähe, Trennung und Eigenständigkeit umzugehen.
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